Antisemitismus ist in der AfD allgegenwärtig. Immer wieder attackiert die Partei unter Rückgriff auf antisemitische Stereotype prominente Vertreterinnen jüdischen Lebens, teilen führende AfD-Funktionärinnen antisemitische Verschwörungserzählungen oder relativieren die Verbrechen des Nationalsozialismus. Trotz der zahlreichen einschlägigen Skandale in ihrer noch jungen Parteiengeschichte wird dem Antisemitismus in der Analyse der AfD jedoch kaum Beachtung geschenkt.
In seinem Buch beschreibt Stefan Dietl den Antisemitismus als wesentliches Ideologieelement und Welterklärungsmodell der AfD. Dabei nimmt er die verschiedenen Erscheinungsformen des Judenhasses in der Partei ebenso unter die Lupe wie die Versuche der AfD, sich als Bollwerk gegen Antisemitismus und Fürsprecherin Israels zu inszenieren.
Hinweis: am Vortag spricht Stefan Dietl bei der Arbeitskammer zu Antisemitismus und Gewerkschaften
Veranstalter*innen: Antifa Saar / Projekt AK; CriThink! e.V.; Heinrich Böll Stftung Saar; Deutsch-Israelische Gesellschaft Saar; Junges Forum Saar.
Die Veranstalter behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder sie von dieser auszuschließen.
Für den 7. Oktober 2025 hatte die Antifa Saar / Projekt AK gemeinsam mit weiteren saarländischen Initiativen gegen Antisemitismus und der Synagogengemeinde Saar zu einer Kundgebung in Saarbrücken aufgerufen. 200 Teilnehmende gedachten vor der Synagoge den Opfern des Terrors der Hamas, forderten die sofortige und bedingungslose Freilassung aller noch im Gaza-Streifen verschleppten Geiseln und brachten ihre Solidariät mit Israel zum Ausdruck. Wir dokumentieren hier die Rede der Antifa Saar / Prjekt AK.
Bild: Antifa Saar / Projekt AK
Liebe Freundinnen und Freunde Israels!
Nun ist es zwei Jahre her, dass die Hamas und mit ihr verbündete islamistische Terroristen den Staat Israel vom Gaza-Streifen aus überfallen haben und in ihrem tiefen Hass auf alles Jüdische 1.200 Menschen ermordeten und 240 Geiseln verschleppten. Auch wenn es uns alle jedes Mal aufs Neue schockiert und fassungslos macht ist es wichtig, dieses Grauen niemals zu vergessen und immer wieder klar zu benennen: Menschen, die auf dem Nova Festival das schöne Leben feiern wollten, wird aus nächster Nähe in den Kopf geschossen. 364 Menschen werden alleine dort ermordet. Frauen werden auf grausamste Art und Weise vergewaltigt, gequält, massakriert, ermordet. Wohnungen werden angezündet, in denen Kinder qualvoll verbrennen und ersticken. Menschen werden auf Ladeflächen von Pickups geworfen und in den Gaza-Streifen verschleppt. Es ist ein unfassbarer Horror, der unsere Vorstellungskraft, was Menschen einander anzutun in der Lage sind, übersteigt. Es ist das schlimmste Massaker an Jüdinnen und Juden seit der Shoa. Und dieses genozidale Vorhaben ist bestens belegt, auch durch Videoaufnahmen der Terroristen selbst.
So offensichtlich das Verbrechen und so klar Täter und Opfer sind: Eine öffentliche Anteilnahme und eine Solidarisierung mit den Angegriffenen blieb überwiegend aus. Stattdessen wurde der Angriff der islamistischen Terroristen und die unfassbare Grausamkeit öffentlich gefeiert. Jubelfeiern — nicht nur in Berlin — für die Hamas, auf denen Süßigkeiten verteilt wurden. Keine Demonstrationen gegen die Hamas, sondern Demonstrationen gegen Israel. Schuld sollen also wie immer die Jüdinnen und Juden sein.
Doch Israel als lebensnotwendiger Schutzraum für Jüdinnen und Juden hatte nach dem Massaker und der Kriegserklärung durch die Hamas vom 7. Oktober 2023 keine Wahl: Israel muss seine Bevölkerung schützen und Israel hat jedes Recht, sich zu verteidigen. Und dafür muss die Hamas vollständig zerschlagen werden. Denn der Plan der Hamas geht weit über die Massaker vom 7. Oktober hinaus. Dass der Gazastreifen über viele Jahre mit hunderten Kilometern militärischer Tunnelanlagen durchzogen wurde, dass die Hamas ihre terroristische Infrastruktur in, um und unter Krankenhäusern, Schulen und anderen zivilen Einrichtungen betreibt, all das ist Teil des dreckigen Plans dieser Bande von Menschenfeinden. Denn so zwingt die Hamas Israel, hässliche Bilder zu produzieren: Bilder von Angriffen, die sich angeblich gegen Krankenhäuser richteten. Bilder einer leidenden Zivilbevölkerung. Bilder der Zerstörung ganzer Stadtviertel. Dieses Leid ist Kalkül der Hamas. Und wenn diese Bilder in den Nachrichten und sozialen Medien gezeigt werden, wird oft verschwiegen: Die Ursache dieser Bilder ist, dass die Hamas die eigene Bevölkerung als Schutzschild missbraucht und den Tod und das Leiden der Menschen im Gazastreifen bewusst herbeiführt, um den weltweiten Hass gegen Israel und gegen Jüdinnen und Juden zu befeuern. Nichts anderes will die Hamas! Je größer das Leid im Gazastreifen, je mehr tote Kinder, desto besser für die Hamas.
Es ist die Hamas, der die Menschen egal sind! Es ist die Hamas, die keinen Frieden mit Israel will! Es ist die Hamas, die Israel vernichten will!
Dass ausgerechnet so viele Linke all das nicht wahrhaben wollen, macht uns als Antifaschist*innen wütend. Sei es das sogenannte “Bündnis solidarische Linke” hier in Saarbrücken, seien es die sogenannten Aktivist*innen der “Global Sumud Flotilla”. Die Schuld wird einfach umgekehrt, die Opfer des Massakers vom 7. Oktober 2023 zu Tätern gemacht: Der Vorwurf des Genozids wird nicht der Hamas gemacht, sondern Israel. Die Parole “Nie wieder!”, die sich auf die Shoa bezieht und untrennbar mit ihr verbunden ist, wird umgedeutet und nun gegen Jüdinnen und Juden gerichtet.
Dabei heißt “Nie wieder!” vor allem anderen: Nie wieder Shoa! Nie wieder dürfen Jüdinnen und Juden Opfer werden! Dafür stehen wir als Antifaschist*innen. Für dieses Versprechen steht Israel als Staat. Und deshalb stehen wir an der Seite Israels.
Nie wieder Faschismus! Nie wieder Shoa! Am Israel Chai!
Am 7. Oktober 2023 ermordeten Terroristen der Hamas und ihrer Verbündeten rund 1.200 Menschen in Israel. Gezielt, grausam und antisemitisch motiviert. Viele von ihnen wurden nur getötet, weil sie Jüdinnen und Juden waren. Hunderte Geiseln wurden verschleppt, Frauen vergewaltigt, ganze Familien ausgelöscht. Bis heute, zwei Jahre später, befinden sich noch rund 50 von ihnen in der Gewalt der Hamas. Ihre Familien leben seither im Ausnahmezustand. Ihre Freilassung ist überfällig. Wir sagen: Bring Them Home Now!
Die Bilder aus dem Gazastreifen erschüttern uns zutiefst. Unsagbares Leid trifft eine Zivilbevölkerung, die seit Jahren unter der Herrschaft der Hamas lebt, die bewusst zivile Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Wohnhäuser zur Tarnung ihrer Terrorinfrastruktur nutzt. Israel steht vor der äußerst schwierigen Aufgabe, sich gegen diesen Terror zu verteidigen, ohne zwischen militärischen und zivilen Zielen klar unterscheiden zu können. So tragisch die humanitäre Lage ist: Die Hauptverantwortung für das Elend in Gaza liegt bei der Hamas, die die eigene Bevölkerung skrupellos instrumentalisiert.
Und der Terror gegen Israel endet nicht. 2024 und erneut 2025 griff der Iran, der ganz offiziell Israel vernichten will, direkt und über seine Verbündeten wie Hisbollah, die Huthi-Milizen und militante Gruppen im Irak und Syrien Israel mit Raketen und Drohnen an. Es ist die massivste militärische Bedrohung für den jüdischen Staat seit Jahrzehnten. Die Angriffe dauern an und machen deutlich: Israel steht unter dauerhaftem Beschuss und hat das Recht sich zu verteidigen.
Gleichzeitig erleben wir in Deutschland und weltweit eine antisemitische Eskalation historischen Ausmaßes. Allein im Jahr 2024 wurden laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) über 8.600 antisemitische Vorfälle dokumentiert. Das ist ein Anstieg um fast 77 % im Vergleich zum Vorjahr. Das bedeutet: An nahezu jedem Tag wurden über 23 antisemitische Taten oder Drohungen registriert. Betroffen waren unter anderem Schulen, Hochschulen, Synagogen und jüdische Geschäfte.
Viele Jüdinnen und Juden fühlen sich nicht mehr sicher, nicht mehr wahrgenommen, nicht mehr zugehörig. Sie erleben, wie antisemitischer Hass offen ausgesprochen wird, oft getarnt als „Israelkritik“ oder “Antizionismus”, aber längst weit darüber hinausgehend. Demonstrationen, auf denen zu Gewalt aufgerufen wird. Universitäten, an denen jüdische Studierende isoliert, bedroht und angegriffen werden. Angriffe auf jüdische Einrichtungen, Bedrohungen auf Schulhöfen, Hetze in sozialen Netzwerken, all das ist Realität.
Antisemitismus kommt aus vielen Richtungen: Von Rechts, von Links, aus islamistischen Milieus, aus der sogenannten Mitte. Es gibt keine „guten Gründe“ für Antisemitismus, auch nicht im Namen der Menschenrechte. Wer Israel das Existenzrecht abspricht, rechtfertigt Gewalt. Wer jüdisches Leben hier angreift, muss bekämpft werden.
Deshalb rufen wir zur Kundgebung am 7. Oktober 2025 um 19 Uhr auf dem Platz vor der Synagoge in Saarbrücken auf. Wir stehen an der Seite Israels, an der Seite der demokratischen Bewegungen für eine Zukunft ohne Krieg und Terror in der Region, an der Seite der Geiseln und ihrer Angehörigen, und an der Seite von Jüdinnen und Juden. Im Saarland, in Deutschland und weltweit.
Wir sagen:
Die Geiseln müssen sofort freigelassen werden – Bring Them Home Now!
Israel hat das Recht, seine Bevölkerung vor Terror, Raketenangriffen und Vernichtungsdrohungen zu schützen.
Die Existenz Israels als jüdischer und demokratischer Staat ist nicht verhandelbar. Wer Frieden will, muss dieses Recht anerkennen.
Für eine friedliche Zukunft im Nahen Osten in Würde, Sicherheit, politischer Selbstbestimmung und gegenseitiger Anerkennung für alle Menschen. Antisemitismus, von rechts, von links, islamistisch oder aus der sogenannten Mitte, muss bekämpft werden.
Nie wieder darf kein leeres Versprechen bleiben. Nie wieder ist jetzt.
SIGA gehören an: Deutsch-Israelische Gesellschaft Saar, Junges Forum Saar, Antifa Saar/Projekt AK, ConnAct Saar, Linksjugend [‘solid] Saar, Heinrich-Böll-Stiftung Saar
Hamza Howidy stammt aus dem Gazastreifen. Er ist Friedensaktivist und wurde als solcher mehrfach von der Hamas verhaftet und gefoltert. Im August 2023, kurz vor dem Massaker der Hamas am 7. Oktober, floh er aus dem Gazastreifen – über Ägypten, Griechenland nach Deutschland. Die Hamas kritisiert er weiter, ebenso wie die Rolle des Iran und die der globalen Linken. Als Aktivist, der sich gegen Antisemitismus und Islamismus einsetzt, wird er auch in Europa bedroht. Denn der lange Arm der Hamas und ihrer Helfershelfer reicht weit über Gaza hinaus. Und dennoch will er nicht aufhören. Hamza Howidy berichtet aus erster Hand, was es bedeutet, im Gazastreifen unter knapp 20 Jahren Hamasherrschaft aufzuwachsen. Deutschland möchte ihn abschieben. Diese Stimme darf nicht verstummen.
Am Sonntag, dem 17.08.2025, versammelten sich in Ottweiler rund 250 Menschen, um unter dem Motto „Gerechtigkeit für Nelson – Schluss mit rassistischer Knastgewalt“ zu demonstrieren. Neben zahlreichen Gruppen und Einzelpersonen hatte auch die Antifa Saar/Projekt AK die Demonstration unterstützt und war unter anderem mit einem Transparent vor Ort. Anlass der Demonstration war der Tod des 15-jährigen Nelson, der sich laut Staatsanwaltschaft am 1. August 2025 in der JVA Ottweiler das Leben genommen hatte.
Vom Bahnhof aus zogen die Teilnehmer:innen lautstark durch die Innenstadt in Richtung Justizvollzugsanstalt. Auf Transparenten und mit Sprechchören wurde die Verantwortung von Justiz und Politik thematisiert. Bereits zu Beginn machten Redner:innen deutlich, dass Nelsons Tod kein Einzelfall ist, sondern struktureller Rassismus im deutschen Polizei- und Justizsystem zugrunde liegt. Die Forderungen sind lückenlose Aufklärung des Falles und weitreichende personelle und strukturelle Konsequenzen. Vor den Toren der JVA fand die Abschlusskundgebung statt. Dort wurden weitere Redebeiträge verlesen und eine Schweigeminute für Nelson abgehalten.
In den Redebeiträgen wurde auch betont, dass mehrere Mithäftlinge von Nelson nach seinem Tod aus Protest gegen Misshandlungen durch JVA-Bedienstete die Rückkehr in ihre Zellen verweigert hatten und so überhaupt erst dafür gesorgt hatten, dass der Fall öffentlich bekannt wurde. Dass diesen mutigen Gefangenen nun Sanktionen drohen und die vermeintlichen „Rädelsführer“ in andere Haftanstalten verlegt wurden, wurde zu Recht als weiterer Skandal bezeichnet. Die Stimmung auf der Demonstration war durchweg entschlossen, solidarisch und kämpferisch. Besonders eindrucksvoll war die Teilnahme von Nelsons Familie. Ihre Anwesenheit machte deutlich, dass der Fallnicht nur eine politische sondern auch eine zwischenmenschliche, emotionaleDimension hat. Nach dem Ende der Kundgebung vor der JVA zogen die Teilnehmenden spontan gemeinsam zum Bahnhof weiter.
Wir danken allen Organisator:innen, Redner:innen und Unterstützer:innen der Demonstration sowie allen Teilnehmenden, die am 17.08.2025 in Ottweiler ein starkes Zeichen für Nelson und gegen rassistische Knastgewalt gesetzt haben.
Die Antifa Saar / Projekt AK ruft zur Teilnahme an der Demonstration “Gerechtigkeit für Nelson– Schluss mit rassistischer Knastgewalt” am Sonntag, den 17.08.2025 um 14:00 Uhr am Hauptbahnhof in Ottweiler auf.
Gerechtigkeit für Nelson – Schluss mit rassistischer Knastgewalt!
Schluss mit staatlicher Gewalt und rassistischem Terror! Nelson ist tot. Er starb mit nur 15 Jahren in der JVA Ottweiler – offiziell durch „Suizid“. Doch wir wissen: Sein Tod war kein Zufall. Er war das Ergebnis eines gewalttätigen, rassistischen Systems, das Schwarze Menschen, People of Color, Arme und andere Marginalisierte unterdrückt und ihnen das Leben nimmt.
Mitgefangene berichten, dass Nelson vor seinem Tod von Justizbeamten geschlagen und getreten wurde – wegen ein paar vermeintlich gestohlener Süßigkeiten. Danach wurde sein Tod vertuscht. Medien und Behörden schwiegen. Erst der Mut anderer junger Gefangener brachte die Wahrheit ans Licht. Die Antwort des Staates: ein SEK-Einsatz gegen diejenigen, die protestierten. Statt Aufklärung gab es Isolation und Strafen für jene, die Nelsons Tod öffentlich machten. Dieses System schützt nicht – es tötet, es foltert, es schweigt.
Wir fordern: • Gerechtigkeit für Nelson und seine Familie! • Aufklärung und Konsequenzen für alle Verantwortlichen! • Ein Ende rassistischer Gewalt – in Gefängnissen und überall!
Nelson war jung. Nelson war Schwarz. Er hätte leben sollen. Schwarze Menschen sind in Deutschland besonders oft Ziel tödlicher rassistischer Gewalt – auf der Straße, durch Polizei, in Haft. Wir sagen: Schluss damit!
Diese Demo ist ein Zeichen an seine Familie: Ihr seid nicht allein. Wir stehen an eurer Seite, in eurer Trauer und in eurem Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit. Kommt am Sonntag, bringt eure Stimmen, eure Schilder, eure Solidarität.
Gemeinsam kämpfen wir – für Nelson, für alle Opfer rassistischer Gewalt, für ein Leben ohne Angst!
Unglaublich aber wahr: Noch in diesem Sommer soll unsere Gedenktafel für Samuel Yeboah ins Saarlouiser Rathaus wandern und dort dauerhaft ausgestellt werden. Die Gedenktafel wurde im Rahmen einer Demonstration zum 10. Todestag von Samuel Yeboah im September 2001 von autonomen Antifaschist*innen an der Saarlouiser Rathausfassade angebracht. Die Stadt Saarlouis ließ die Tafel noch in der selben Nacht wieder entfernen und erstattete Anzeige. In dem Zusammenhang kam es zu langwierigen Prozessen gegen den Anmelder der Demonstration.
Seit knapp 25 Jahren steht diese Gedenktafel für den Kampf um die Erinnerung an Samuel Yeboah. Und dafür, dass der rassistischen Hintergrund dieses Mordes über Jahrzehnte verleugnet wurde.
Erst als aufgrund neuer Ermittlungen und des anschließenden Prozesses samt Verurteilung eines der Mörder nun auch staatliche Organe den rassistischen Hintergrund der Tat zweifelsfrei festgestellt haben, konnte die Stadt Saarlouis es nicht länger abstreiten.
Die kontinuierliche Erinnerungsarbeit und zahlreiche Kampagnen der Aktion 3. Welt Saar, des Saarländischen Flüchtlingsrates und der Antifa Saar / Projekt AK haben das Gedenken an Samuel Yeboah und die gesellschaftlichen Hintergründe des Mordes wach gehalten, so dass auch heute jüngere Generationen von Antifaschist*innen sehr genau über die Ereignisse von vor über 30 Jahren in Saarlouis Bescheid wissen.
Und tatsächlich konnte der Saarlouiser Oberbürgermeister Marc Speicher (CDU) davon überzeugt werden, die Tafel dauerhaft im Saarlouiser Rathaus auszustellen. So gilt es nun, den Gedenkstein zu „verabschieden“ und auf seine Reise ins Saarlouiser Rathaus zu schicken. An dieser Stelle sei nochmal insbesondere der Aktion 3. Welt Saar gedankt, die dies maßgeblich voran gebracht hat.
Dazu laden wir ein am Sonntag, dem 15. Juni 2025 ab 15.00 Uhr. Veranstaltungsraum der Commune (Rotenhofstraße 1 / Hinterhaus) 66111 Saarbrücken
Geplant ist ein Programm mit vielen Pausen und Möglichkeiten zur Stärkung bis 18.00 Uhr, um dann den Abend noch gemeinsam ausklingen zu lassen. Wir werden zahlreiche Materialien der letzten 30 Jahre zu dem Thema ausstellen, es wird Büchertische geben, eine Dia-Show und Aktivist*innen werden von Eindrücken, persönlichen Erlebnissen und politischen Einschätzungen rund um die Gedenktafel berichten.
Wir würden uns sehr freuen, Euch dort zu begrüßen.
Antifaschist:innen auf der Luisenbrücke – Foto: Kai Schwerdt (Lizenz: CCBY-NC 2.0)
Bundesweit nehmen die rechten Angriffe auf queere Menschen und Paraden zum Christopher Street Day (CSD) zu. Auch in Saarbrücken wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Menschen im Umfeld des CSD von Nazis attackiert. In diesem Jahr versuchten rechte Aktivisten, den Saarbrücker CSD am 8. Juni 2025 mit einer Gegenkundgebung zu stören. Unter dem Motto „Tradition & Heimat statt CSD” hatte eine Gruppe junger saarländischer Nazis zu einer Versammlung auf der Luisenbrücke aufgerufen. Trotz umfangreicher Mobilisierung in den sozialen Netzwerken erschienen allerdings lediglich neun Personen. Ihnen standen bis zu 250 Antifaschist:innen gegenüber, die dem Aufruf der Antifa Saar/Projekt AK und anderer Gruppen gefolgt waren, den CSD aktiv zu verteidigen. Die rechten Aktivisten wurden immer wieder in der Stadt konfrontiert und die antifaschistische Aktion hat an diesem Wochenende einmal mehr deutlich gemacht: Nazis haben in Saarbrücken keinen Platz.
Einer von neun: Der rechte Aktivist Tristan Friebel beschreibt den Tag in eigenen Worten.
Nazikundgebung auf der Luisenbrücke – Foto: Kai Schwerdt (Lizenz: CCBY-NC 2.0)
Im Übrigen verlief der CSD nach dem bisherigen Kenntnisstand der Antifa Saar/Projekt AK störungsfrei. Unter dem Motto „Unser gutes Recht – kein Schritt zurück“ haben Zehntausende Menschen in Saarbrücken demonstriert und gefeiert. Allein an der Parade am Sonntag nahmen über 10.000 Menschen und 37 Wagen teil.
“No Genocide under our Rainbow”: Der SDS Saarbrücken mit seinem antisemitischen Transparent – Foto:
Die Antifa Saar kritisiert jedoch, dass der SDS Saarbrücken auf der Parade ein Transparent mit der Aufschrift „No Genocide under our Rainbow“ zeigen konnte. Dieses bezog sich auf einen vermeintlichen Völkermord an Palästinenser:innen im Gazastreifen durch Israel. Die falsche Behauptung, Israel begehe in Gaza einen Genozid, ignoriert, dass die Hamas in erster Linie für das Leid der palästinensischen Bevölkerung verantwortlich ist, indem sie zivile Einrichtungen als Waffenlager und Raketenabschussrampen missbraucht. Statt die verbliebenen Geiseln freizulassen und zu kapitulieren, operiert die Hamas weiterhin aus einem weitverzweigten Tunnelsystem heraus. Auch das Massaker vom 7. Oktober und die hybride Kriegsführung der Hamas, die gezielt emotionale Manipulation in den sozialen Medien einsetzt, wird dabei ausgeblendet. Die Verwendung solcher Narrative im Kontext des CSD ist besonders perfide, da queere Menschen in Gaza unter der Herrschaft der Hamas systematisch verfolgt und mit dem Tod bedroht sind.
Die Antifa Saar / Projekt AK bedankt sich bei allen Antifaschist:innen, die sich den Nazis gestern so entschlossen in den Weg gestellt haben. Wir werden die Umtriebe der rechten Akteure weiterhin genau beobachten und bei Bedarf intervenieren. Hinweise zu den beteiligten Neonazis können vertraulich an info[at]antifa-saar.org gesendet werden. Kein Fußbreit den Faschisten! Nazis gibt’s in jeder Stadt – bildet Banden, macht sie platt! Free Gaza from Hamas — Free the Westbank from Abbas!
Die Antifa Saar / Projekt AK ruft alle Antifaschist:innen dazu auf, den Christopher Street Day (CSD) in Saarbrücken zu verteidigen. Kommt am Sonntag, den 8. Juni, um 13:00 Uhr auf die Luisenbrücke.
Für Sonntag, den 8. Juni 2025, rufen extrem rechte Akteure für 13:30 Uhr zu einer Kundgebung gegen den CSD in Saarbrücken auf. Unter dem Motto „Tradition & Heimat statt CSD“ soll auf der Luisenbrücke demonstriert werden. Hinter dem Aufruf steckt eine Gruppe junger Neonazis aus dem Saarland, die seit einiger Zeit vornehmlich über Instagram und andere soziale Netzwerke ihre rechte Hetze verbreitet. Zuletzt traten sie auch bei den „Gemeinsam für Deutschland“-Demonstrationen im Saarland in Erscheinung, die bislang in Lebach, Saarlouis und St. Wendel stattgefunden haben. Für den 28. Juni ist eine Weitere für Neunkirchen angekündigt. Diese bundesweite „Gemeinsam für Deutschland“-Kampagne wird von Dennis Prakenings und Sascha Dominikowski aus Schleswig-Holstein organisiert. Sie sind zentrale Figuren aus dem rechtsradikalen Flügel der Pandemieleugner:innen-Bewegung und versuchen, Neonazis, AfD-Anhänger:innen, Verschwörungsideolog:innen und Querfront-Esoteriker:innen unter einem neuen Label zu vereinen.
Angriffe von rechts auf queere Menschen und CSD-Kundgebungen haben in den letzten Jahren in ganz Deutschland und auch international massiv zugenommen. Auch in Saarbrücken wurden im Umfeld des CSD bereits als queer gelesene Menschen von Nazis angegriffen. Den Nazis geht es nicht um vermeintlichen Gegenprotest, ihr Ziel ist es, queeres Leben zu vernichten.
Die Antifa Saar / Projekt AK ruft alle Antifaschist:innen dazu auf, den CSD in Saarbrücken zu verteidigen. Kommt am Sonntag, den 8. Juni, um 13:00 Uhr auf die Luisenbrücke. Bringt Schilder, Transparente, Fahnen und eure Freund:innen mit und lasst uns den Nazis gemeinsam zeigen, dass sie in Saarbrücken keinen Platz haben.
Kein Fußbreit den Faschisten! Nazis gibt’s in jeder Stadt — Bildet Banden, macht sie platt!
Lebach, Saarlouis und jetzt St. Wendel. Am Samstag, den 31.05.2025, soll der dritte Aufmarsch extrem rechter Akteur:innen unter dem Motto “Gemeinsam für Deutschland” stattfinden. Das werden wir nicht unbeantwortet lassen! Wir stellen uns dem rechten Vormarsch entgegen!
Extrem rechte Kräfte aus dem offen rechtsradikalen Flügel der Pandemieleugner:innenbewegung sowie neonazistische Kräfte versuchen durch die bundesweite Kampagne “Gemeinsam für Deutschland” mit zeitgleichen Demonstrationen im gesamten Bundesgebiet den Kampf um die Straßen auf eine neue Stufe zu heben. Die extrem rechte Demonstrationskampagne wurde von Dennis Prakenings und Sascha Dominikowski aus Schleswig-Holstein initiiert. Nach außen demonstrieren sie für “flächendeckende Grenzkontrollen”, “gegen die finanzielle Unterstützung der Ukraine” oder “für den Schutz der Bevölkerung”. Hinter diesen vermeintlich “gemäßigten” Parolen, auf die auch Teile der saarländischen Presse hereinfallen, steckt die alte braune Pest” Wie sie wirklich wollen, ist klar: eine deutschnationale, rassistische und queerfeindliche Agenda durchsetzen und die faschistischen Kräfte stärken” Ziel der Kampagne ist vor allem die Vernetzung extrem rechter Akteur:innen und eine neonazistische Raumnahme. Ihre Demonstrationen sind also keine harmlosen Spaziergänge, sondern eine Mobilisierung von Neonazis, AfD-Anhänger:innen und rechtsradikalen Pandemieleugner:innen.
Je nach Bundesland haben die Aufmärsche unterschiedliche Erscheinungen: Während in manchen Städten der Charakter der Demonstrationen offen militant neonazistisch geprägt war, orientierte sich die saarländische Demonstration eher an der antisemitischen und deutschnationalen Pandemieleugner:innen- und Querfront- Friedensbewegung. Hier laufen Esoteriker:innen, Verschwörungsgläubige und vermeintliche Friedensfreund:innen Seite an Seite mit den Altkadern des saarländischen Neonazismus, wie auch mit neuen möchtegern-Kadern der sich bundesweit entwickelnden neonazistischen Jugendbewegung.
Noch im März folgten in Lebach dem Aufruf 400 Personen, in Saarlouis waren es im April nur noch 300. Als Organisatorin der saarländischen Aufmärsche tritt Monika Trodler vom AfD-Stammtisch “Freunde Hochwald” auf. Diese organisiert auch die Kundgebungen von “Selbstdenker Kell/Hermeskeil”, wie im letzten Monat in Trier. Auf diesen Demonstrationen sind laut Organisatorin die Pride-Fahne verboten, Fahnen des Deutschen Reiches jedoch gerne gesehen, was sich junge Neonazis nicht nehmen lassen wollten und diese vor Ort stolz präsentierten. Die Themen der ekelhaften Redebeiträge bei der Demonstration in Saarlouis reichten von rechten Propagandafloskeln wie “Mut und Wahrheit” sowie dem vermeintlichen Kampf für “Meinungsfreiheit”, über Coronaimpfungen bis zur Hetze gegen trans Personen und Sexualaufklärung.
Wie schon Lebach und Saarlouis ist auch St. Wendel nicht zufällig gewählt. Während der Corona-Pandemie war St. Wendel einer der Orte, wo die sogenannte Wuerdenker-Bewegung schon früh auf sehr fruchtbaren Boden traf. Neben der Involvierung nicht unwesentlicher Teile des städtischen Kleinbürger:innentums machte sich hier vor allem auch die Dichte der esoterisch oder anthroposophisch geprägten Bevölkerung im gesamten Landkreis bemerkbar. Die auf den Kundgebungen gehaltenen Reden waren teils offen antijüdisch, wie diejenige des sarländischen Verschwörungsideologen und offenen Antisemiten Traugott Ickeroth. Auch der revanchistische und deutschnationale Hetzer Thorsten Schulte, welcher sich als “kritischer Journalist” ausgibt, konnte vor mehreren hundert Menschen davon faseln, dass Deutschland fremdbestimmt sei und “Selbstbestimmung für die Deutschen” fordern. Auch hier hüllten sich die altbekannte Hetze von Nazis und deutschen Revanchisten in ein lächelndes “bürgerliches” Gewand, um die Bevölkerung zu verhetzen. An diese Erfolge will die Demonstration in St. Wendel anknüpfen. Dies gilt es zu verhindern durch entschlossenen antifaschistischen Widerstand!
Jeder Meter extrem rechter Raumnahme ist eine ekute Gefahr für die Betroffenen von deutschem Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Frauen- und Queerfeindlichkeit!
Dort wo sich Faschist:innen sicher fühlen, werden sie den rechten Terror entfachen, wenn man sie nicht stoppt. Dies zeigen auch zwei jüngere Beispiele aus St. Wendel: In der Silvesternacht 2017/18 wurden linke Jugendliche unter “Sieg Heil”-Rufen mit Böllern beworfen und teils zusammengeschlagen. Im April diesen Jahres gab es einen Brandanschlag in der Innenstadt, bei dem selbst die Polizei “ein rassistisches Motiv nicht ausschließt”. In Solidarität mit den Betroffenen rechten Terrors müssen wir den rechten Vormarsch stoppen. Deshalb müssen wir uns diesem Aufmarsch entgegenstellen!
Kommt zur antifaschistischen Demonstration am 31.05. in St. Wendel und organisiert den antifaschistischen Widerstand gegen die faschistische Pest — in St. Wendel und überall!